Lebensqualität

Warum wir für Ideen erst recht dankbar sein sollten

Ob Geistesblitz oder Schnapsidee: wir sollten für jeden Einfall dankbar sein. Denn, dass wir über diese schöpferische Kraft verfügen, ist keineswegs selbstverständlich.

by Tim Arterbury via Unsplash
by Tim Arterbury via Unsplash

Gitte Härter hat auf schreibnudel.de zur Blogparade aufgerufen. Also habe ich mir gedacht, ich schreibe auch was «Über den Wert von Ideen».

Ich finde, jede Idee ist auf eine gewisse Art wertvoll — vom genialen Geistesblitz bis zur Schnapsidee. Der Wert, den ich meine, ist ideell (für manche Wortspiele möchte ich mich selber boxen). Jetzt kommt die Vorgeschichte dazu:

Viele Leute, die Gittes Blog beiwohnen, arbeiten in Berufen, die von guten Ideen leben. In denen der Fortschritt von kreativen Einfällen abhängt. Und diese Menschen wären wohl aufgeschmissen, wenn sie keine Ideen mehr hätten. Ideen sind für sie also mehr als wertvoll: Sie sind das täglich Brot.

Ich glaube sogar, das Ganze geht noch viel weiter. Ideen braucht es nicht nur für gute Geschäfte. Ideen gehören zum Leben. Zumindest wenn es ein lebenswertes sein soll.

Eine Welt ohne Ideen?

Stell Dir vor, auf der Welt gäbe es keine Ideen. Dann wäre jeder Tag gleich. Die Menschen würden heute das tun, was sie gestern getan haben. Und es wäre das selbe wie vorgestern. Und sie wüssten nicht einmal mehr, weshalb sie es tun. «Haben wir immer schon so gemacht», hiesse es dann. Klar, die Erde würde sich weiterdrehen. Aber ein Hamsterrad dreht sich auch.

Wie fändest Du es, wenn ich Dir jetzt sage, dass es eine solche Welt tatsächlich gibt?

Das ist die Depression. Wenn ich depressiv bin drehen sich meine Gedanken im Kreis. So wie das Hamsterrad: Scham. Verzweiflung. Wertlosigkeit. Angst. Und manchmal Selbstmordgedanken. Draussen sehe ich das Leben vorbeiziehen.

Aber eine Idee was ich dagegen tun könnte? Fehlanzeige.

Ideen wecken Gefühle

Das hat sicher neurologische Ursachen. Konzentrationsschwierigkeiten, Stressreaktionen, Mechanismen im Körper, um das blosse Überleben zu sichern. Aber hat das Problem vielleicht auch einen weltanschaulichen Bestandteil?

Eine Depression ist ein Zustand, der vielleicht mit dem Tod mehr zu tun hat als mit dem Leben. So hat es sich jedenfalls manchmal für mich angefühlt.

Ideen zu haben, macht für die Depression keinen Sinn. Denn eine Idee leitet den Menschen zum Handeln an. Aber genau diese Unfähigkeit zu Handeln ist für die Krankheit Depression bezeichnend. Ideen sind die Voraussetzung dafür, dass sich im Leben etwas zum Guten verändert.

«Das Gegenteil von Depression ist nicht Glück sondern Vitalität», sagte der Schriftsteller Andrew Solomon treffend in einem tollen Vortrag über Depressionen. Was mir während der Depression so sehr abgeht, ist das Gefühl am Leben zu sein.

Ideen sind etwas Lebendiges

Irgendwann begab ich mich in Therapie. Und als die Behandlungen, die ich machte, Wirkung zeigten, wachte etwas in mir auf. Nämlich Kreativität. Allmählich hatte ich das Gefühl, etwas Kontrolle über mein Leben zurückzugewinnen und kurz darauf begannen die Ideen zu sprudeln.

Da war diese Aufbruchstimmung. «Das ist meine Chance, für einen Neubeginn im Leben», sagte ich mir damals. Ich begann wieder zu träumen.

Deshalb erinnern mich meine Ideen immer wieder daran, dass ich am Leben bin. Dann spüre ich mich selbst. Und ich spüre ein Gefühl von Dankbarkeit. Das will ich pflegen.

Wenn Du das nächste Mal eine Idee hast, von der Du überzeugt bist, achte auf das Gefühl, das sich in dir einstellt. In deinem Herzen oder Bauch oder sonstwo. Schön, nicht wahr? Lebendig, nicht wahr?

I was infected.

Infected with an idea.

(Sting)

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